Die Geschichte des Waidmannsheil

Schon seit geraumer Zeit ist das Waidmannsheil ein beliebtes Ausflugsziel für Wandersleute und Naturliebhaber. Diesem Ruf wird es auch nach dem Neuaufbau wieder gerecht. Zur Entstehungsgeschichte finden Sie weiter unten ein paar Worte aus dem Heimatbuch.


 


 

Mit viel Liebe zum Detail wurde das Objekt als "Forsthof Waidmannsheil" von der Familie Rauchhaupt neu eröffnet und wieder ein Ort zur Erholung und Entspannung geschaffen.


 


 


 


 


 

Hier ein paar Impressionen:

 

Aus dem Heimatbuch zur Geschichte der Dörfer

Bennewitz, Schmölen……von Gustav Schellhorn 1938

"Hinter dem Schmölener Gottesacker kommen wir endlich zum Wald, dem Vorderplanitz.

Auch da kann ich wieder auf eine nähere Beschreibung desselben verzichten, denn was ich hierüber zu erzählen wusste, habe ich im „Führer durch den Planitzwald, Leulitzer und Altenbacher Wald“ niedergeschrieben, der im Druck und Verlag von Gustav Jacob in Wurzen erschienen und auch in der Gaststätte der Walddörfer zu haben ist.

Vor uns liegt die Walderholungsstätte der Stadt Wurzen. Hier hatte von 1887-1900 das 3. Jägerbataillon Nr.15 und dann das1. Bataillon des 14. Inf. Regt, Nr.179 seine Schießstände, die von kundigen Soldatenhänden planiert und bepflanzt, mit Ruheplätzen, Springbrunnen und schönen Wegen ausgestattet worden sind. Der erste Fußweg hinter den Kugelfängen führte in wenigen Minuten über den Rehberg hin zum Forsthaus Waidmanns Heil. Den schlagen wir ein, aber Vorsicht ist geboten, denn hier habe ich schon mehrmals Kreuzottern angetroffen. (Ein Leipziger Otterfänger hat einmal an einem einzigen Sonntagnachmittag drei Stück hier gefangen und ebensoviel am Leulitzer Weg an den Kohlgruben). Stiller Waldfrieden und würzige Harzluft umgibt uns hier. Ei, da schöpft die Brust tief Atem, als sollten die Lungen in Waldeskraft gebadet werden. Schon bellen die Jagdhunde im Zwinger und melden unseren Besuch an.

Das Forsthaus Waidmanns Heil und ein rund 300 Acker umfassendes Waldgebiet dabei gehört dem Grafen von Hohenthal (Püchau), der seit dem Jahre 1856 einen Waldwärter stationiert hat. Der erste hieß Geidel und war vorher Amtsgerichtbote in Wurzen. Seine vielen Freunde aus der Stadt besuchten ihn öfters und Erwirkten für ihn die Erlaubnis zum Kaffee- und Bierausschank. Von 1867-1884 wohnte hier als Waldwärter August Staake. Zu seiner Zeit konzertierte die Wurzener Stadtkapelle an den Pfingstfeiertagen in Waidmanns Heil. Da waren alle Plätze in den Lauben vor dem Hause und an den im Wald aufgestellten langen Tafeln von wanderlustigen und frohen Waldbesuchern besetzt.  

An den Donnerstagen nach Eintritt des Vollmondes kamen in der zur Gaststube umgewandelten Wohnung des Waldwärters die Förster und Jagdliebhaber der Umgegend zusammen, um ihren „ grünen Donnerstag“ bei frohem Zechgelage zu feiern.Nur selten fehlte da einer dieser wetter- und trinkfesten Grünröcke. Man sprach über Jagd und Forstwirtschaft, über rechte und schlechte Politik, qualmte dazu invollen Zügen den unvermeidlichen Försterknaster, verzapfte auch mancherlei Jägerlatein, und Witze wurden gerissen und belacht, wenn sie auch schon älter waren als der selige Methusalem. Das weiß ich alles so genau, weil ich ab und zu auch dabei war.

Kein Wunder wohl, dass die lustige Gesellschaft gewöhnlich bis Mitternacht und später beisammen blieb. Als dann Kirchhöfer und danach Kühne den Posten als Waldaufseher versahen, gab es außer „grünen Donnerstagen„ auch noch „rote Freitage“ in  Weidmanns Heil, denn an diesen Tagen kamen eine Zeitlang jede Woche die damaligen Häupter der Sozialdemokratie August Bebel und Wilhelm Liebknecht mit den Spitzen der Wurzener Genossen hier zusammen. Ich sehe diese durch das Sozialistengesetz erbitterten Kämpfe noch im eifrigen  Gespräch und mit den Händen stark gestikulierend an meinem Schmölener Schulhause vorübergehen. – (1888)

Das vor uns liegende Waldgebiet bis zur Pausitzer Straße und dem  Steinbruch daselbst, der schon bei der im Jahre 1284 stattgefundenen Grenzregulierung des Wurzener Landes als der „Durckelstein“ erwähnt wird, war vor 100 Jahren mit starken Laubholz bestanden,das in den Jahren 1838-1842 abgeschlagen und mit Kiefern neu besetzt worden ist.

Nur die stärkste Eiche ließ man noch eine Zeitlang stehen. Bis auch sie gefällt und anlässlich des Püchauer Schloßbaues mit verwendet wurde. Den starken Baumstumpf aber, den drei Männer nicht völlig umspannen konnten, versah man mit einer Steinplatte und der Aufschrift: Zum Andenken an den 1832-1842 abgetriebenen Eichwald Karl Julius Leopold Graf von Hohenthal (Püchau).

Eine Zeitlang war das Forsthaus Waidmanns Heil als Gaststätte geschlossen, da von den nahen Schießständen herüber manchmal verirrte Kugeln auf dem Dach einschlugen, und erst zu Tittmanns Zeit (1894) erhielt dessen Frau wieder die Erlaubnis, alkoholfreie Getränke an die Waldbesucher abzugeben."